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Im Schäferhund-Magazin (Ausgabe Juni 2008) wurde folgender Leserbrief von Herrn Helmut Buss veröffentlicht:
Die Steigerung von Inkompetenz ist Willkür 

Ein Fallbeispiel für den Umgang des Vereins für Deutsche Schäferhunde mit seinen aktiven Mitgliedern und seinen guten Hunden 

von Helmut Buß
 

Am 14./15.4.2007 fand die LG-FCI-Qualifikation der LG Waterkant statt.
Frank Bredefeld, Eigentümer des Zwingers „vom Cap Arkona“, hatte am 14. bereits die Abteilungen A (80P.) und C (96P. - bester Schutzdienst) erfolgreich absolviert und sollte am 15. um 9.50h zur Abteilung B antreten.
Während der Besprechung der zuvor geführten Hunde hielt Frank sich zusammen mit der ihm zugelosten Hundeführerin im vorgesehenen Wartebereich auf, der direkt an das eigentliche Vorführgelände(Prüfungsgelände) angrenzte.
Frank motivierte seinen Hund letztmalig mit einem Ball. Um dem Hund den Ball auch sicher wieder abnehmen zu können, hatte er seinem Hund noch ein Stachelhalsband in handelsüblichem Originalzustand angelegt,
andere Hundeführer vor ihm hatten das genauso gemacht.
Als Frank den Aufruf hörte, nahm er dem Hund erst den Ball und dann das Stachelhalsband ab.
Den Ball hatte er seinem Sohn übergeben und das Stachelhalsband ca. 30m von der Platzbegrenzung entfernt auf den Boden gelegt.

Diesen Vorgang beobachtete offensichtlich der amtierende LR Strijk und forderte Frank auf, das abgelegte Stachelhalsband mitzubringen.
Frank folgte dieser Aufforderung und brachte das Stachelhalsband in seiner Hand mit auf den Vorführplatz.

Der LR sagte: „Disqualifiziert wegen Stachel!“

Nun wurde diskutiert – auch der LG-AW Heinz Gerdes wurde hinzugezogen, der die Entscheidung des LR unterstützte und auf einen geltenden Beschluss der Bundesversammlung verwies.
Diesen wollte er Frank faxen – bis heute ist das nicht geschehen. Es ist auch nicht möglich, denn es gibt keinen einschlägigen Beschluss.

Frank rief mich zu Hause an und schilderte die Situation.
Mir war sofort klar, dass es sich nach Lage der Dinge um eine Fehlentscheidung handelte.
Ich rief Heinz Gerdes an und teilte ihm meine Einschätzung mit.
Er blieb bei seiner Bewertung und verwies auf die Eigenständigkeit des LR.

Der habe entschieden – und zwar richtig!

Als OG-Vorsitzender von Frank bat ich darum, ihn unter Vorbehalt starten zu lassen und den Sachverhalt hinterher in Ruhe klären zu lassen – vergeblich!
Ich versuchte Herrn Diegel zu erreichen – er war im Ausland.
Ich habe Hans Rüdenauer, den ich als Kollegen im SV-Vorstand wegen seiner Sachkompetenz schätzen gelernt hatte, angerufen – er hielt die Disqualifikation für eine Fehlentscheidung. Ein Beschluss der BV sei ihm nicht bekannt.
Anschließend habe ich Heinz Gerdes mit dieser Information konfrontiert – kein Sinneswandel!
Dann versuchte ich beim zuständigen ordentlichen Gericht eine „Einstweilige Verfügung“ zu erwirken – konnte aber am Sonntagvormittag keinen Richter erreichen – auch nicht mit Hilfe der örtlichen Polizei in Dörpen.

Dann habe ich den Vorsitzenden des SV-Verbandsgerichts-Nord, Herrn Gattner, angerufen. Herr Gattner mochte sich spontan nicht festlegen – man müsse alle Umstände genau kennen – aber er machte einen sehr konstruktiven Vorschlag: Der LR solle den Teilnehmer doch „unter Vorbehalt“ starten lassen. Hinterher würde man die Rechtslage eindeutig klären können.
Ich fragte, ob ich diesen Vorschlag dem LG-AW Heinz Gerdes mitteilen dürfe. Herr Gattner war einverstanden.

Das wurde telefonisch unmittelbar erledigt – Herr Gerdes lehnte ab!
(„Es bleibt dabei!“)

Sicherlich keine weise Entscheidung im Sinne des Sports und des aktiven Mitglieds!

Nun hätte, den Vorgaben der PO folgend, der amtierende LR Strijk eine Meldung über die erfolgte Disqualifikation an den zuständigen Verband – hier an den SV – abgeben müssen.
Dann wären Stellungnahmen von den Beteiligten eingeholt worden und ggf. ein Beschluss über eine Disziplinarstrafe getroffen worden – oder aber ggf. festgestellt worden, dass der LR zu Unrecht die Disqualifikation ausgesprochen hatte.
Dieser Ablauf ist bei Disqualifikationen zwingend!
Diese Meldung wurde aber vom amtierenden LR nicht abgegeben!

Dieses ahnend – und um die in der PO festgelegte Frist( 8 Tage nach der Prüfung) nicht zu versäumen, legten wir auf dem in der PO festgelegten Weg Beschwerde über den LR ein, denn sonst wäre die Sache „im Sande verlaufen“.
Das sog. Rechtsamt des SV prüfte den Vorgang, holte eine Stellungnahme von Herrn Diegel ein, der wiederum Herrn Strijk und Herrn Bredefeld um Stellungnahmen bat.

Herr Diegel glaubte nach seiner subjektiven Interpretation der PO und des Richterleitfadens, dass der LR korrekt gehandelt habe. Er ist der Auffassung, der Satz in der PO „andere zusätzliche Halsbänder(Anm.: als das Kettenhalsband) sind während der gesamten Prüfung nicht erlaubt“ sei ausreichend dafür, einen Prüfungsteilnehmer, dessen Hund außerhalb des Prüfungsplatzes z. B. ein handelsübliches Stachelhalsband trägt, zu disqualifizieren. Er ist der Meinung, dass bestimmte Regelungen für das Vorführen eines Hundes sich nicht nur auf die offiziellen Prüfungsteile Wesensprüfung, Fährte, Unterordnung, Schutzdienst und Siegerehrung beziehen, sondern auch für die Zeit dazwischen  gelten: z. B. das Verbot des Mitführens von Motivationsgegenständen, das Verbot des Mitführens von Futter und die Bestimmung, dass der Hund ständig ein einfaches einreihiges, locker anliegendes Kettenhalsband, welches nicht auf Zug eingestellt ist, tragen muss.

Man bedenke nur die Folgen - etwa bei einer mehrtägigen Prüfung!

Sie dürfen ihren Hund nicht füttern, nicht mit dem Ball außerhalb der Vorführung spielen, das Kettenhalsband nicht auf Zug stellen, wenn Sie Ihren Hund außerhalb des Platzes führen, kein handelsübliches Stachelhalsband anlegen usw.
Und wer sollte befugt sein, diese vermeintlichen Verstöße außerhalb der eigentlichen Prüfungsteile festzustellen? Richter?, Prüfungsleiter? Neu einzuführende SV-Vereinssicherheitsorgane?

Das Rechtsamt des SV – letztlich eine Juristin, die Ordnungen und Satzungen korrekt auslegen können sollte, folgte offensichtlich unreflektiert der Beurteilung des Vereinsausbildungswartes und lehnte die Einleitung eines Verfahrens gegen Herrn Strijk ab.

Diese Entscheidung konnte nicht akzeptiert werden, also musste jetzt eine Klage gegen den Beschluss des Rechtsamtes bzw. gegen den SV eingereicht werden.
Dafür waren nach der Rechts- und Verfahrensordnung 550,-€ Kostenvorschuss zu zahlen. In der Klage haben wir begründet, dass die Entscheidungen des LR, des Vereinsausbildungswartes und des Rechtsamtes nach dem Wortlaut der PO und des Richterleitfadens falsch waren.
Die Disqualifikation des Hundeführers war nicht rechtmäßig – auch ein einschlägiger Beschluss der Bundesversammlung, den Herr Gerdes zur Rechtfertigung der Richterentscheidung anführte, war nicht existent.


Nebenbei haben wir das Gericht noch darauf hingewiesen, dass der offizielle Beschwerdeweg der PO gegen Richterentscheidungen nicht eingehalten worden ist, weil das „zuständige Gremium“, das am Ende eine Entscheidung zu treffen gehabt hätte, in diesem Fall die Entscheidung nicht getroffen hat.
Es sei denn, man möchte den Vereinsausbildungswart als Gremium ansehen, etwa in dem Sinne von Gottvater, Sohn und Heiligem Geist. Auch diese
Betrachtungsweise wäre ja beim SV nicht überraschend!

Das Verbandsgericht hat noch weitere Stellungnahmen eingeholt und dann ein Urteil gesprochen:

1.     Der Bescheid des Rechtsamtes vom 2.7.2007 wird aufgehoben.

2.     Die Disqualifikation des Klägers vom 15.4.2007 wird für ungültig erklärt.

3.     Der Beklagte(SV) trägt die Kosten des Verfahrens

4.     Der Ausgang dieses Verfahrens ist seinem wesentlichen Inhalt nach in der SV-Zeitung zum nächst möglichen Zeitpunkt zu veröffentlichen.

 
Das Gericht formuliert darüber hinaus:

„Eine Überarbeitung des Regelwerkes(Anmerk.: PO und Richterleitfaden)
wäre sehr wünschenswert.“

Abschließend noch drei Gedanken zur Unabhängigkeit des Vereinsgerichts:

1. Die Entscheidung ist zugunsten des aktiven Mitglieds sachlich korrekt
getroffen worden. Das ist vorbehaltlos zu loben und insofern
bemerkenswert, weil „Gottvater“ ja anders entschieden hatte.

2. Zu den Zeitabläufen:

14./15. 4 2007     Disqualifikation

16.4.2007            Beschwerde über den Richter

2.7.2007              Abweisung der Beschwerde durch das Rechtsamt

24.8.2007            Klage gegen den SV

17. 2.2008           Vorstandswahlen in der LG Waterkant                                     
                          (Wahlleiter Herr Gattner, Vorsitzender des SV-Verbandsgerichts-                           Nord

18. 2.2008            Zustellung des Urteils (s. o.)
                           (10 Monate nach der Disqualifikation,
                            6 Monate nach Einreichung der Klage,
                            1 Tag nach der Wahl 
                            von Heinz Gerdes zum LG-Vorsitzenden


3. Ich hatte Frank schon vor der Urteilsverkündung gesagt:
“Wenn das Urteil nach der Delegiertentagung zugestellt wird, wird die 
Disqualifikation aufgehoben!“
Es ist bedauerlich, dass man so denken muss – nur:
Die Tatsachen sprechen für sich!

4. Im Urteil wurde auch eine Stellungnahme des LG-Ausbildungswartes Gerdes erwähnt, die dem Kläger – trotz beantragter und ansonsten gewährter Akteneinsicht, auf die nach dem Grundsatz des fairen Verfahrens Kläger und Beklagte einen Rechtsanspruch haben – nach Eingang nicht ausgehändigt worden war. Die Aushändigung an den Kläger erfolgte erst nach Zustellung des Urteils und nochmaliger Forderung auf vollständige Akteneinsicht am 7. 3. 2008.

Herr Gerdes fasst seine Aktivitäten im Zusammenhang mit der Disqualifikation in dem Nachsatz zusammen: „Ich hatte bei dieser Veranstaltung keine Funktion.“

Ich denke zusammenfassend, dass sich die aktiven Ausbilder freuen dürfen, dass das Verbandsgericht Nord dieses Urteil in dieser Form gefällt hat, denn gute Ausbildung von guten Hunden muss weiterhin möglich sein. Das aktive Mitglied muss sich – wenn schon nicht auf die Kompetenz der Funktionäre und Beurteiler – so doch auf die Rechtsprechung des Vereins verlassen können. Zumindest soweit, dass sie am Ende noch nachprüft, was in den eigenen Vereinsregeln festgelegt ist.
Allerdings klappt das wohl nur, wenn man, wie im vorliegenden Fall, bereit ist,  einen nachweislich langen und finanziell risikoreichen Weg der Beschwerde und des Rechtstreites zu beschreiten.
Sollte der Weg in der Rechtsprechung des Vereins trotzdem gelegentlich in die Irre führen, vielleicht auch von Willkür geprägt sein, gibt es auch noch den Gang vor ein ordentliches Gericht – nur braucht man dafür einen noch längeren Atem und leider trägt man u. U. ein noch höheres finanzielles Risiko.

Bedauerlich ist es jedoch in jedem Fall, wenn Inkompetenz oder Willkür dazu führen, dass besonders harte und belastbare Hunde auf der Strecke bleiben.

Das schadet der Zucht und damit dem Verein!

Alle relevanten Dokumente sind unter www.zwinger-vom-cap-arkona.de  einzusehen.

P.S.: Kennen Sie eigentlich den einfachen Weg, den Mitglieder in solchen und vielen anderen ähnlich gelagerten Fällen normalerweise gehen? – 
Ja, richtig! - Sie treten aus dem SV aus!!!